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Januar 2008
und ich empfehle es auszuprobieren! Markieren Sie den folgenden Text und drucken Sie ihn in WORD aus.
Eigenauftragsanalyse
Eine Anleitung für die Analyse und Neuformulierung von Eigenaufträgen.
Vorab einige Hinweise und Tipps zur Durchführung:
· Eine Eigenauftrags-Analyse ist immer dann empfehlenswert, wenn Sie sich in einem „Fall“ Ihrer Praxis (oder bestimmten Situationen, die in diesem Fall auftreten) irgendwie unbehaglich fühlen, wenn Sie merken, dass Sie gestresst, genervt oder überfordert sind, über das Ganze grübeln usw. Sie können damit rechnen, dass Sie in diesen Situationen mit einer Summe von Eigenaufträgen (im folgenden mit „EA“ abgekürzt) zu tun haben, die irgendwie schwer umzusetzen sind oder sich sogar widersprechen. Dieser Sachverhalt ist Ihnen aber zunächst nicht bewusst, sie merken nur an Ihrer Befindlichkeit, dass etwas „nicht stimmt“. Eine EA-Analyse in solchen Fällen zu machen und etwas Zeit dafür zu investieren, ist ein Beitrag zu Ihrer eigenen Psychohygiene.
· EA sind alle Erwartungen oder Anforderungen, die man an sich selbst richtet. Diese Vorgänge sind nicht immer bewusstseinspräsent. EA „spürt“ man auch eher als Handlungsimpulse, es sind nicht immer Gedanken, die man im Kopf hat. Aber man kann sie mit Hilfe der Fragen in eine Sprachform bringen und sie dadurch der gedanklichen Überprüfung zugänglich machen.
· Es kann um einen „Fall“ in Ihrer Arbeit als Ganzes oder auch um eine bestimmte Situation gehen. In der Frage 1 (s.unten) sollten Sie in kurzen Worten skizzieren, wie die Situation sich darstellt, auf die bezogen Sie eine EA-Analyse machen wollen. Sie können aber auch eine Situation aus Ihrem Privatleben nehmen, denn auch da gibt es gelegentlich Stress und Nervereien!
·
Beantworten Sie die u.a. aufgeführten Fragen möglichst spontan und
ohne lange Reflektionen (denn darum geht es erst später)! Verwerfen Sie keinen
Ihrer Einfälle, die Sie bei den Fragen haben, denn das schmälert den Erfolg des
Ganzen! Oft haben diese Antworten noch nicht die (grammatikalische) Form eines
EA. Ein EA hat nämlich die Form eines Imperatives, eines Satzes, bei dem zum
Schluss ein Rufzeichen steht (in der Form von: „Mach`…(Y)…!“ (Y) steht dann für
etwas bestimmtes, was Sie tun sollen.). Formulieren Sie diesen Satz in
„Du-Form“, so als würden Sie zu sich selbst sprechen, denn so wird die
anschließende Analyse wirkungsvoller.
Es gilt also, die Antworten in einen EA umzuformulieren. Dabei können Sie
folgender „Transformationsregel“ folgen: Um den Eigenauftrag (es können auch
mehrere sein), der in der Antwort steckt, zu identifizieren, übersetzen Sie
die Antwort erst in ein oder mehrere Ziele, die aus der Antwort hergeleitet
werden können. Dann übersetzen Sie diese(s) Ziel(e) in eine an sich selbst
gerichtete Aufforderung.
Beispiel einer Antwort auf Fragen: „Es wäre gut, in dem Fall eine umfassende
Lösung zu finden und keine Schnellschüsse mehr zu machen!“
ð (Übersetzung) „Ich sollte eine
umfassende Lösung finden und Schnellschüsse vermeiden!“
ð (Übersetzung) „Suche eine
umfassende Lösung und vermeide Schnellschüsse!“
· Sie brauchen für die Bearbeitung der Fragen drei Blätter: das erste für Ihre Antworten auf die Fragen, ein zweites für die Umformulierung der Antworten in einen EA, wodurch eine listenartige Übersicht über alle wirksamen EA entsteht und schließlich ein drittes Blatt, um die modifizierten EA einschließlich der erhalten bleibenden Fremdaufträge, also der Aufträge von „außen“, von anderen Personen oder Institutionen im System aufzulisten.
Anleitung:
Auf der Rückseite folgen nun die Fragen, die Sie - wie gesagt – möglichst spontan und ohne kritisches Nachdenken beantworten sollten! Gehen Sie dabei so vor:
Zuerst notieren Sie auf leeres Blatt 1 Ihre Antworten auf
die Fragen. Dann formulieren Sie aus der jeweiligen Antwort den EA (evtl. mit
obiger Transformationsregel) und notieren ihn auf ein Blatt 2; fügen Sie dann
hinzu, mit welchem Ziel Sie diesen EA verfolgen und mit welcher Begründung Sie
(bisher) an diesem EA festhalten (auf der Rückseite finden Sie dazu ein
Beispiel).
Wiederholen Sie diese Schritte bei jeder Frage und jeder einzelnen Antwort, es
kann sein, dass Ihnen auf eine der Frage mehrere Antworten einfallen.
Die Fragen:
Frage 1:
Um welchen Fall handelt es sich und um welche spezielle Situation geht es dabei? (kurze Beschreibung, auf Blatt 1 notieren; in den folgenden Fragen wird das mit „XY“ abgekürzt)
Frage 2:
Was würden Sie in diesem Fall oder in der entsprechenden
Situation (XY) spontan,
Ihren gefühlsmäßigen Impulsen folgend am liebsten tun?
Frage 2a:
Welchen dieser Impulse (von Frage 2) erlauben Sie sich nicht?
Frage 3:
Welche Vorgehensweise wäre aus Ihrer professionellen Sicht
in der Situation (XY) richtig oder
zweckmäßig, welche wäre falsch bzw. nicht ratsam?
Frage 4:
Welche Aufträge von „außen“ haben Sie sich in der Situation
(XY) bisher zueigen gemacht , zu eigen gemacht ? Warum und mit welchem Ziel?
Frage 5:
Wie urteilen Sie über sich selbst, über Ihre
Professionalität, wenn Sie die von außen an Sie
gerichteten Erwartungen, die Sie übernommen haben, und Ihre Eigenaufträge aus
den Fragen 1-3
erfüllen könnten? (Hier geht es Ihr berufliches Leitbild oder das generelle Ziel
Ihrer Arbeit)
Nun noch ein Beispiel zur Beantwortung einer der Fragen und ihrer Umwandlung in Eigenaufträge:
(Frage 2): Was würdest die in der Situation (XY) spontan am liebsten tun?
„Ich würde den Klienten am liebsten schütteln…“
EA: „Schüttle den Klienten…
weil mich ärgert, dass er bisher
nicht auf meine Worte reagiert…“ (das ist die Begründung
für den EA) …und…
damit er endlich aufwacht und Verantwortung übernimmt…“
(das ist das Ziel, das mit der
Umsetzung des EA erreicht werden soll)
Die Begründung und das Ziel des EA verweisen auf Ihre Werte, Normen und Überzeugungen (Glaubenssätze), die hinter Ihren Eigenaufträgen stehen. Bei der EA-Analyse gilt es das alles zu überprüfen und kritisch zu durchdenken. Sie müssen dabei nicht Ihre Werte und Überzeugungen generell „über Bord werfen“, sondern lediglich prüfen, ob sie in der spezifischen Situation (XY) realisierbar sind. Es kann dabei auch um eine Neuverhandlung mit Auftraggebern von außen gehen, deren Aufträge Sie sich bisher (unkritisch) zu eigen gemacht haben.
So geht es weiter:
Wenn Sie mit der Liste der EA auf Blatt 2 fertig sind, untersuchen Sie die EA daraufhin, ob sie umsetzbar sind, ob sie evtl. in Widerspruch miteinander stehen, ob sie von der Menge her zu bewältigen sind, und überlegen sich sodann, wie Sie bestimmte EA abwandeln könnten oder sogar fallen lassen. Legen Sie dazu eine neue Liste mit den abgewandelten und immer noch bestehenden EA an und prüfen Sie das Ganze evtl. noch einmal (führt vielleicht nochmals zu Abwandlungen).
Normalerweise stellt sich dann eine gewisse Erleichterung ein, das Ganze wird besser handhabbar, die negativen Empfindungen sind weg oder deutlich weniger. Das ist der Zweck der EA-Analyse: sich danach erleichtert zu fühlen! Es ist ein Beitrag zur eigenen Psychohygiene…
ã Manfred v. Bebenburg
Februar 2006:
Zum
Thema: Lösung von Entscheidungsproblemen,
Wanderung
Nr. 36:
Es kann
passieren, dass man trotz der Meta-Entscheidung, die getroffene
Entscheidung
nicht mehr zu revidieren, doch noch einmal an den Punkt
kommt,
die Entscheidung (soweit es noch möglich ist) zu überdenken
und
evtl. neu zu treffen, z.B. wenn man überraschend neue Informationen
bekommen
hat. Das bedeutet, dass man diese Meta-Entscheidung revidiert
und
sich neu festlegt. Wenn dies nicht dazu führt, dass man (aus Angst)
nun
doch wieder die Entscheidung vor sich herschiebt, ist dagegen nichts
einzuwenden.
Es kann sein, dass man in einem solchen Fall evtl. auch andere
Meta-Entscheidungen
nochmals überprüfen sollte, z.B. die Entscheidung
über
die Entscheidungsart.
Im Zuge
einer Beratung bin ich noch auf eine weitere Meta-Entscheidung gestoßen,
die zum
Thema Angst bei Entscheidungen gehört: Jedem wird sofort klar, dass
willentlich
und bewusst eine Entscheidung zu treffen, bedeutet, dass man für
seine
Entscheidung und einem Teil der Folgen verantwortlich ist. Da nicht wenige
Menschen
die Frage der Verantwortung mit dem Thema der Schuld vermengen und
evtl.
geradezu panische Ängste entwickeln, an etwas schuld zu sein, vermeiden
sie,
eine Entscheidung zu fällen. Sie geraten aber auch hier in die Paradoxie, dass
das
Vermeiden einer Entscheidung bewusst passiert und Folgen hat.
In der
Beratung wird man in einem solchen Falle auch noch mit der Lösungsstrategie
für den
Umgang mit Schuldgefühlen arbeiten müssen, bevor es weitergehen kann.
März 2006:
Zum
Thema: Lösung von Angstproblemen:
In
Wanderung Nr. 37 wird der Teufelskreis beschrieben, der sich von der Angst
über
die Angstvermeidung und die nicht überprüfte Angstphantasie aufbaut.
Wagt
sich nun ein Klient doch daran, sich einer bisher angstbesetzten Situation zu
stellen,
kann es passieren, dass er im entscheidenden Moment doch wieder zurück
schreckt.
Die kann daran liegen, dass der Klient denkt, das Experiment müsse
ohne
Angst stattfinden und es dürfe keine Risiko beinhalten, dass passiert, was
die
Angstphantasie „prophezeit“. Vor allem dann, wenn der Klient keine
Idee
hat,
wie er eine Situation meistern könnte, in der vielleicht doch eintritt, was
er
befürchtet, lässt er schließlich den Versuch doch wieder fallen – und
bewegt
sich
weiter im Kreislauf - ein erweiterter Teufelskreis ist entstanden.
Das
Schema in Wanderung Nr.37 kann also wie folgt erweitert werden:
Es
kommt in der Beratung folglich darauf an, mit dem Klienten die Frage des
Risikos
zu erörtern und dabei vor allem auch die Frage zu besprechen, wie der
Klient
die Situation, vor der er sich fürchtet, meistern könnte, wenn doch eintritt,
was er
befürchtet. Das ist gerade auch dann wichtig, wenn die Angstphantasie
unrealistisch
erscheint!
April 2006:
Zweite
Auflage
Die
zweite Auflage des Buches ist erschienen. In ihr sind einige kleinere Fehler
korrigiert;
vor allem ist aber noch ein kleines Experiment zum Thema Wirklichkeits-
Konstruktionen
aufgenommen, dass ich hier auch für die Leserinnen und Leser der
ersten
Auflage wiedergeben möchte:
„Zum Abschluss der
vierten Reise schlage ich Ihnen noch folgendes Experiment vor…
Gehen Sie in einen
Brillenladen oder auch Sportgeschäft und halten Sie Ausschau nach
Sonnenbrillen bzw.
Schibrillen mit unterschiedlich, aber möglichst stark gefärbten Gläsern
(z.B. gelb, blau usw.)
Setzen Sie eine solche Brille
auf und betrachten Sie, wie nun alles um Sie herum aussieht.
Fragen Sie sich nun, wie sie
die Welt beschreiben würden, wenn Sie
nicht wüssten,
dass sie eine derartige Brille tragen. Versuchen sie das in einigen Sätzen auf einem Blatt zu notieren, dann erst lesen sie meinen Vorschlag und vergleichen Sie beides:
Sie werden bemerken, dass das Wort "blau" beim unbemerkten Tragen einer blauen Brille wahrscheinlich nicht vorkommt, es wäre reiner Zufall.
April 2007
Dritte Auflage
Inzwischen ist schon wieder ein Jahr vergangen. Knapp 800 Exemplare sind nun im Besitz zufriedener LeserInnen (was mir die meisten mündlich gesagt haben, denn im Forum finden sich nur wenig Einträge). Darüber freue ich mich natürlich!
Mit einigen weiteren Korrekturen von immer noch gefundenen Rechtschreibfehlern und zu einzelnen Formulierungen, um die Plausibilität noch zu verbessern, bereite ich gerade die dritte Auflage vor. Sie wird dann ab Juli erhältlich sein.
Zum
Thema: Lösung von Entscheidungsproblemen,
Wanderung Nr. 36:
Wenn man angesichts einer fifty-fifty Situation zwischen wählbaren Alternativen genauso gut eine Münze werfen könnte, bietet sich noch die Löwenzahnmethode an: man entferne nach und nach je ein gelbes Blütenblatt für die jeweilige Alternative. Die Alternative, auf die das letzte Blütenblatt gefallen ist, wird gewählt. Vorher muss allerdings noch festgelegt werden, ob das zuletzt übrig bleibende Innere der Blüte, wenn alle Blütenblätter gezupft sind, noch mit zählt. Und natürlich muss auch hier die Meta-Entscheidung gefällt worden sein, das "Zupfergebnis" zu akzeptieren und diese Entscheidung nicht zu widerrufen. Und vielleicht sollte man sich auch beim Löwenzahn bedanken, dass er sich zur Verfügung gestellt hat; immerhin wurde ein Stück Natur der Entscheidung geopfert.